Der Sitzhub im Elektrorollstuhl

Wie beeinträchtigt der ständige Blick nach oben die Nutzer?

In einer Studie, die Nackenbeschwerden bei Rollstuhlfahrern untersuchte, berichteten die Teilnehmer, dass sie sich am wohlsten fühlten, wenn ihre Nacken in einer leicht geneigten Position gehalten wurden. Um jedoch Blickkontakt mit einer stehenden Person mit einer Durchschnittsgröße herzustellen , mussten sie ihre Halswirbelsäule um 27° nach hinten neigen (Kirby et al., 2004). Es wurde festgestellt, dass häufige Nackenüberdehnung wahrscheinlich zu erheblichen Beschwerden führt. Während eines 8-Stunden-Arbeitstages und bei ähnlichen Beschäftigungen müssen Rollstuhlfahrer im Schnitt bei 297 Tätigkeiten ihre Arme über Kopfhöhe anheben, verglichen mit 53 bei einer Person, die sich in aufrechter Haltung bewegt. (Newsam et al., 2007). Es ist klar, dass diese Art von Verschleiß zu Ermüdung im Schultergewebe führen kann und dass beim Fehlen von ausreichender Erholungszeit RSI (Repetitive Strain Injury: Wiederholte Verschleißerkrankungen) auftreten kann.

Die Sitzhöhenverstellung kann einen Nutzer um bis zu 350 mm anheben – was die funktionelle Reichweite erhöht und zu einer besseren Gesundheit und mehr Wohlbefinden beiträgt.
Active Reach hilft dem Nutzer, beim Greifen nach Dingen einen Frontalansatz zu verfolgen, und reduziert das Ausmaß an potentiell schädlicher Abspreizung.

Wie kann ein elektrisch verstellbarer Sitz helfen?

Durch den Einsatz einer elektrischen Sitzhöhenverstellung wird die Anzahl der schädlichen Bewegungsabläufe am Arm (Abspreizen um mehr als 60°) erheblich reduziert, was zu einer Verringerung des RSI-Risikos beiträgt (Sabari et al., 2016). Eine Sitzhöhenverstellung erleichtert auch die Erreichbarkeit von Gegenständen in größerer Höhe, was die Unabhängigkeit bei alltäglichen Aktivitäten erhöht.
In psychologischer Hinsicht sorgt die Fähigkeit, Blickkontakt mit anderen aufzunehmen, für eine erhöhte Kommunikation, mehr soziales Engagement sowie mehr Selbstwertgefühl und eine höhere subjektive Lebensqualität (Rohde, Bonder, & Triolo, 2012).
Active Reach ermöglicht eine frontale Herangehensweise an Aufgaben, was die Sichtlinie verbessert und den Einsatz der vorhandenen Schulterstärke maximiert, sodass das Risiko einer Schulterverletzung verringert wird, weil nicht mehr zur Seite gegriffen werden muss. Dies wiederum kann die funktionelle Nutzung der Arme verbessern, was die Durchführung von alltäglichen Aktivitäten erleichtert.

Welche Vorteile bietet der Sitzhub noch?

Hier geht es neben der Vermeidung von Schulter- und Nackenproblemen natürlich noch ium ganz banale, für Fußgänger selbstverständliche Dinge: nämlich Reichweite.
Sei es ein Lichtschlter, Aufzugstaster oder Geldautomat. Teilhabe ist das Zauberwort. Im Alltag werden Rollstuhlfahrer immer noch vor große Hürden gestellt, wenn alltägliche Dinge einfach nicht möglich sind.
(Spaßmodus ein)
Auf meinen Schulungen bringe ich immer das Beispiel der geringen Lebenshaltungskosten. Rollifahrer leben sparsam!
Warum? Wenn  Sie mal durch einen Supermarkt fahren, werden Sie bemerken, dass das billige Toastbrot ganz unten und die teuren Markenartikel in Augenhöhe (eines Fußgängers) platziert werden. Rollifahrer kommen dort aber kaum heran und müssen um Hilfe bitten. Daher bleibt der Geldbeutel länger voll.
(Spaßmodus aus)